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Was ist Taekwondo?


Einführung

Folgende kurze Definition lässt sich formulieren:

"Taekwondo ist eine waffenlose koreanische Selbstverteidigung, die mit Einsatz der Körperwaffen wie Füßen, Beinen (Tae) und Händen, Armen (Kwon), sowie dem Wissen um energetische und physiologische Zusammenhänge ausgeübt wird. Unter „Do“ wird die Schulung des Selbst und der Charakterbildung verstanden."

Jedoch wird man einer komplexen Kampfkunst wie Taekwondo damit keinesfalls gerecht, denn Taekwondo ist viel mehr ...

... man könnte sagen, dass Taekwondo einerseits eine waffenlose Kampfkunst zur Selbstvertei- digung ist, andererseits aber ebenso Aspekte von Philosophie und Lebenseinstellung in sich vereint, die dazu führen, mit einer geänderten Sichtweise durchs Leben zu gehen. Häufig vergessene oder unberücksichtigte Verhaltensweisen wie Höflichkeit, Durchhaltevermögen, Selbstdisziplin, Unbezwingbarkeit, Demut, Entschlos­senheit, Gerechtigkeitssinn und Hilfsbereitschaft werden durch die Auseinandersetzung mit den Inhalten der Kampfkunst Taekwondo wiederbelebt und im Ausübenden gefestigt.

Wer sich ernsthaft mit dieser Kampfkunst beschäftigt, wird mit fortschreitender Reife mehr und mehr damit belohnt, dass die freiwerdenden positiven Kräfte einer ausgeübten Kampfkunst sein Ich durchströmen und auf alle Bereiche seines Lebens wirken. Der Ausübende findet seine „Mitte“ und ruht in sich selbst. Der so gewon- nene Friede ist Ausdruck einer gestärkten Persönlichkeit. Wer sich selbst und seinen Stärken bewusst ist, muss sich und anderen nichts beweisen. Das Wissen um die Freiheit der Entscheidung und des Handelns führt zu innerer Stabilität. Diese Freiheit ermöglicht auch die friedliche Bewältigung aller Konflikte in den, durch menschliche Aktivitäten, erzeugten Spannungsfeldern.

Jedoch sollte man nicht vergessen, dass man sich auf eine Reise begibt, deren Ziel ungewiss und unter Um­ständen unerreichbar ist. Wer hofft, die Früchte einer Kampfkunst schnell ernten zu können, wird unweigerlich enttäuscht werden. Wer aber beharrlich seinen „Weg“ beschreitet, sich auch an kleinen Fortschritten erfreuen kann, der wird früher oder später erkennen, dass das Beschreiten des Weges bereits zur Ernte gehört.

Obwohl die Kampfkunst Taekwondo erst vor relativ kurzer Zeit in der westlichen Hemisphäre bekannt wurde, blicken die Kampfkünste in Korea auf eine ca. 2000-jährige Tradition zurück. In Korea ist Taekwondo bereits seit sehr langer Zeit ein wesentlicher Bestandteil des Kulturgutes, auch des modernen. Es gehört zum Ausbildungsprogramm des Militärs und der Polizei, wird aber auch in den Schulen und Universitäten rege praktiziert. 

Taekwondo ist eine kriegerische Kunst,  aber es bietet dem Trainierenden nicht nur den Kampf, sondern auch eine Vielzahl  gymnastischer Übungen für den gesamten Körper und entwickelt, stärkt und verfestigt die Persönlichkeit des Menschen. Durch das harte Training, die Praxis der Techniken und des Kampfes, gewinnt man an Erfahrung und lernt seine Grenzen kennen, auch das eine oder andere Mal darüber hinweg zu gehen. Es wird einem sehr deutlich bewusst, wie wirkungsvoll die erlernten Techniken sind. Dies führt dazu, dass man Streitigkeiten lieber aus dem Wege geht, was in der heutigen Zeit nicht mehr unbedingt zur Normalität gehört.  Es entwickelt sich ein starkes Gerechtigkeitsgefühl, ebenso Demut, Höflichkeit, Entschlossenheit und Hilfsbereitschaft. Dem Taekwondoin wird bewusst, dass die erlernten Techniken ganz und gar nicht dazu gedacht sind, Andere in irgendeiner Art und Weise zu unterdrücken.  




Die "Dreiteilung" des Taekwondo

Taekwondo ist sehr vielseitig und besteht nicht nur aus dem gymnastischen Training und den Grundtechniken (Gibon Dongjak), sondern auch aus Übungen, die Kombinationen verschiedener Elemente enthalten.

Klassisch gliedert sich Taekwondo in drei Hauptbereiche:

    - Formen (Poomsae/Hyong)
 - Freikampf (Gyorugi/Chayu taeryon)
 Bruchtest (Kyok-pa)


Als weitere Teilbereiche sind ergänzend zu nennen:

    - Grundtechnik (Gibon Dongjak) 
 - Sparring (Yaksok Taeryon) 
 - Selbstverteidigung (Mom Makki/Hosinsul) 
 - Messerabwehr
 - Fußkampf (Chokki Taeryon) 



Formen (Poomsae/Hyong)

Formen sind für den Übenden ein direktes oder indirektes seelisches und körperliches Training, welches Angriffs- und Abwehrtechniken umfasst. Eine Form stellt einen Kampf gegen einen oder mehrere imaginäre Gegner dar. Hierbei werden erlernte Grundtechniken sequenzweise zu Abwehr und Konter nach festgelegtem Muster verbunden, gleichzeitig  sollten Bewegungen und Atmung aufeinander abgestimmt werden.

Die Formen-Übungen kann man ohne oder mit Partner trainieren (z.B. auch als Synchronlauf) und dabei seine eigene Trainingsmethode, zum Beispiel durch Anwendungsübungen, systematisch entwickeln.

Die Formen-Übungen sollten aber nicht nur das sture Ablaufen aneinander gereihter Techniken oder nur der realitätsnahe Kampf gegen imaginäre Gegner sein, sondern mit Herz und Geist ausgeführt werden. Bei der Ausführung einer Form sollte vor allem auf die Atmung, den Kraftaufwand, den Blick, die Ge­schwindigkeit, die Verlagerung des Körperschwerpunktes und auf den Kihap geachtet werden. 


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