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Ilyo Do Forum

Alle Kategorien > Taekwondo > Sonstiges > Quo vadis Taekwondo
Anzahl Nachrichten: 3 - Seiten (1): [1]
Autor: shumisen
Erstellt: 03.04.2008 - 20:08
Betreff: Quo vadis Taekwondo
Hallo Zusammen,

Der obige Titel besagt schon, worum es geht.
In der Vergangenheit unterlag unsere Kampfkunst immer wieder
sinnigen und unsinnigen Veränderungen durch das Headquarter...
Meist vor wichtigen internationalen Events.

Über die Gründe kann man ohne Insiderinformationen nur wenig sagen,
doch über die Folgen für die Kampfkunst und den Einzelnen kann man
sicherlich offen diskutieren.

Fakt ist, das schon die zurückliegende Zwangsumstellung von Hyong auf
Poomse für einen Eklat gesorgt hatte. Aus diesen Vorkommnissen scheinen
die Oberen des Taekwondo nichts gelernt zu haben, denn weitere Änderungen
ließen nicht lange auf sich warten…


Wettkampfregeln
Punktesystem
Key Points bei den Formen
One second, one move
usw.


Diese haben wieder zu Verunsicherung geführt und meist mehr geschadet als
genützt. Als sehr bezeichnend empfinde ich, das es scheinbar keine einheitliche Art und Weise gibt, wie die Formen zu laufen sind.
Wie soll man dazu stehen ?


Hier einige Gedanken von mir:

Eine gesicherte Zukunft der Kampfkunst ist nur durch eine einheitliche
und fundierte Vergangenheit möglich.

Diese fundierte Vergangenheit (wenn auch nur ab 1955) muss in den
Status der Allgemeingültigkeit überführt werden !

Die dauernden Veränderungen entziehen den Ausübenden die gemeinsame
Basis. Eine Kampfkunst muss sich nicht durch Veränderungen attraktiv
machen. Sie ist es von sich aus. Der Ausübende füllt sie mit Leben.

Zuviel Veränderung nagt an der Glaubwürdigkeit und Effizienz einer KK.

Verfolgt das Headquarter keine Prinzipien, die im Taekwondo verankert sein
sollten ? (Mitte, Gegenziehen, Rotation usw.) Es ist offensichtlich, das einige dieser Prinzipien durch das ständige ändern außer Kraft gesetzt werden.

Gawi-makki (Taeguk-sil-chang) ohne Rotation um die Hochachse führt zu
einer erheblichen Abschwächung des Blocks. Außerdem ähnelt er bei der
Ausführung an einen Anfänger, der die Technik noch nicht verstanden hat.
Die Hüfte braucht bei dieser Art der Ausführung nicht mehr mitzuarbeiten.
Doch hier soll eine Technik doch „entspringen“ um die nötige Vehemenz zu
erzeugen. Wieder ein zerstörtes Prinzip.

Durch die Laufart "One second / one move" wird der Gedanke des
imaginären Gegners ad absurdum geführt. Die individuelle Interpretation
geht dadurch völlig verloren. Der Einzelne wird nicht in die Lage versetzt,
seine Vorstellung eines Kampfes nach außen zu übertragen.
Die frühere Aussage „Du bist die Form“ (im Moment des Ausübens) greift
nicht mehr.
Einheitlichkeit dort, wo man sie nicht brauchen kann.

Es werden ap-chagis mit hängenden Armen getreten.
Wo ist die notwendige Deckung. Wieder ein Prinzip zerstört.

TKD hat sich in der Öffentlichkeit leider auf den Westenkampf reduziert.
Taekwondo ist jedoch mehr! Es liegt an uns, dies "hinauszutragen" !!!
Doch wie und auf welche Art und Weise ?

Warum immer wieder Formenänderungen ?
Hat man mit den bisherigen nicht genug zu tun ?

Warum braucht man Wettkampfformen ?
Reduktion auf den kleinsten Nenner ?

Wie soll man sich als Ausübender jetzt verhalten ?
Jede Veränderung mitmachen, oder lieber abwarten, weil sowieso
zurück geändert wird ?

Macht jetzt jede Schule oder Verband zukünftig "ihr Ding" ?

Die Schülergrade haben sicherlich ein größeres Problem als die Meister
und Großmeister. Irgendwann kann man sicherlich sagen:
"Veränderungen ok... aber bitte ohne mich" !

Was zeigt man seinen Schülern ?
Welche Art TKD lehrt man nun ?
Die derzeit gültige - gegen die eigene Überzeugung und das Wissen,
das einige Neuerungen wirklich unsinnig sind - oder die althergebrachte ?

Wie lange kann das gut gehen ?

Es stellt sich nun die Frage, ob man sich weiterhin gegen die Änderungen stemmt, versucht eine Kampfkunst auf fundierte und überdachte Weise weiter zu geben, oder ob man nachgibt und in der Uniformität untergeht… ?


Wenn es mit den Änderungen weiter so hin und her geht, könnte man
glatt daran denken, sich KK mäßig zu verändern oder gar aufzuhören...
oder man macht tatsächlich "sein" Ding und optimiert sich selbst
durch Crosstraining zwischen verschiedenen KK's

Ich freue mich auf eine schöne Diskussion




Gruß shumisen




Edit am 11.04.08
Autor: Roadrunner
Erstellt: 10.04.2008 - 17:14
Betreff: re: Quo vadis Taekwondo
Fange ich doch mal an meine Gedanken dazu kund zu tun und arbeite Deine Gedanken zu dem Thema von unten nach oben und kreuz und quer ab:

Auch wenn die (ständigen) Änderungen bei mir Kopfschütteln hervorrufen, werde ich persönlich dies nicht als Anlass nehmen, mit der KK aufzuhören. Diese Maßnahme finde ich dann doch etwas zu drastisch und die Protestwirkung zu gering.

Wie ich persönlich damit umgehe, hängt natürlich auch von meinem Großmeister ab und wie er es in seiner Schule handhabt. Damit hat sich für mich die Frage geklärt, was zeige ich meinen Schülern. Damit habe ich natürlich sehr bequem die Verantwortung hinsichtlich diesen Punktes auf jemand Anderen abgewälzt, aber es ist nun mal nicht meine Schule. Bleibt natürlich noch die Frage, wie laufe ich die Formen. Aber auch da muss ich für mich als Trainer die Konsequenz ziehen, dass ich nicht die Formen auf eine Art laufen kann und auf eine andere Art lehren. Solange wir uns also innerhalb einer Schule bewegen würden, wäre also alles kein Problem. Aber leider kommen ja die Änderungen von außen und es gibt ja durchaus noch Kontakte nach außen.

Den schwarzen Peter haben doch hier wirklich die wettkampforientierten Formenläufer! Wenn man mal von den Gerüchten absieht, die sich hartnäckig halten, dass die Änderungen nur gemacht werden, um die Konkurrenzfähigkeit einer bestimmten Nation im Formenlauf möglichst hoch zu halten, muss man doch trotzdem die aktuellen Formen laufen, um überhaupt eine Chance bei Wettkämpfen zu haben. Und somit müsste wieder der Trainer und die Schule die aktuellsten Änderungen übernehmen, welch ein Dilemma.

Und damit sind wir dann wieder bei dem Punkt der Glaubwürdigkeit: Die Glaubwürdigkeit der Einzelperson, die vielleicht gar nicht hinter dem steht, was sie tut. Der Schule als Zusammenschluss der Personen. Des Verbandes, der nicht mehr nachvollziehbare Änderungen einführt, da z.B. keine logische Begründung existiert, wie man sich gegen einen imaginären Gegner verteidigen soll mit One-Second-One-Move. Und nicht zuletzt der ausgeführten Kampfkunst, der die Basis entzogen wird und den Trendsportarten hinterherläuft.

So würde ich nicht sagen, dass hier eine gesicherte Zukunft nur durch eine einheitliche und fundierte Vergangenheit möglich ist, sondern die Gegenwart, die dann mal zur Vergangenheit wird, entscheidender ist. Auch wenn es mal verschiedene Stile gegeben hat, verliert ja die KK an sich dadurch nicht ihre Basis. Ich habe auch kein Problem mit sinnvollen Anpassungen an die Realität und damit an die Gegenwart, aber dies muss meiner Meinung nach nicht um jeden Preis geschehen und vor allem nicht auf Kosten der Qualität. Wenn man Ausholbewegungen verkürzt oder gar ganz weglässt, wenn man Stellungen so verändert, dass man sich weniger bemühen muss und unpräziser werden, bzw. den bisher gelehrten Begründungen widersprechen, warum eine Stellung (oder auch Technik) auf eine bestimmte Weise auszuführen ist, verliert die Kampfkunst an Qualität. Der Anspruch des Perfektionismus geht vollkommen verloren und das Ziel Satori rückt in weite Ferne. Wo ist dann der Unterschied zu irgendeiner anderen Sportart zu finden? Der Aspekt der Selbstverteidigung alleine kann es ja nicht sein, denn dann hätte ich auch mit ATK oder ähnlichem anfangen können. Wobei ich keiner Sportart Zen abstreiten will, aber das ist ein anderes Thema und führt jetzt und hier etwas zu weit. Die Quintessenz sollte aber meiner Meinung nach sein, dass sich jeder die Frage stellt, warum betreibe ich TKD und warum so und nicht anders.

Und damit schließt sich der Kreis für mich wieder und man kommt unweigerlich zu den Gedanken, die shumisen aufgeschrieben hat. Von daher haben für mich auch die Schülergrade ein geringeres Problem als die Meistergrade, da sich für viele Schüler die Fragen erst gar nicht ergeben und sie damit leben und auch leben müssen, was ihnen ihr Meister vorsetzt. Damit möchte ich nicht sagen, dass die Schüler dumm sind und die Meister schlau, aber welche andere Wahl habe ich denn als Schüler. Wenn ich die Form nicht laufe, wie sie von der jeweiligen Schule gefordert wird, werde ich dort keine Prüfung bestehen und werde mich zumindest technisch auch nicht weiter entwickeln.

Also kommt man wieder zu dem Punkt, was mache ich persönlich und man merkt auch schon, dass man nicht einfach die Verantwortung weiterreichen kann. Zieht man einfach mit und findet alles Glaubhaft, hat man sicherlich kein Problem. Setzt man sich aber mit seiner KK auseinander und beschäftigt sich so mit seiner KK, wie es als Meister sein sollte und ja auch vom Headquarter gefordert wird, kommt man anscheinend zu einem unlösbaren Widerspruch.

Also doch den gordischen Knoten lösen und mit der KK aufhören?

Ein Patentrezept habe ich leider auch nicht, aber zumindest weiß ich, wie ich damit umgehen werde und wo für mich die Grenzen liegen...

...vielleicht gibt es hier ja auch nur individuelle Lösungen, auch wenn dies in einer sogenannten Federation, also einer Vereinigung oder einem Verband, etwas merkwürdig anmutet.
Autor: shumisen
Erstellt: 11.04.2008 - 13:03
Betreff: re: Quo vadis Taekwondo
Hallo Roadrunner,

danke für die weiterführenden Gedanken zu obigem Thema.
Leider wird es so sein, das man als Ausübender die Entscheidungen
der Obrigkeit zu akzeptieren hat. So unverständlich diese auch manchmal
erscheinen mögen.
Schließlich gehört man einem Verband / Stilrichtung an, in derem
bestehendem Regulatium man seine Prüfungen bestehen möchte.

Du kennst mich und weißt um meine "geradlinige Gangart und Meinungs-
äußerung"...

Nun ist es so, das mit (hoffentlich) zunehmender Reife und Erkenntnissen
manche Bestandteile einer Kampfkunst kritisch hinterfragt werden.
Sie können für einen persönlich nur Bestand haben und von Nutzem sein,
wenn diese verstanden, optimiert und verinnerlicht wurden.

Das dies nicht gegen einen innerern Wiederstand oder Überzeugung
funktionieren kann, dürfte klar sein.
Man erarbeitet Prinzipien, überträgt diese in die Einzelbereiche des
TKD und sieht, das es funktioniert und schlüssig ist.
Warum sollte man sich diese Erkenntnisse durch (Fehl-) Entscheidungen
von oben zunichte machen lassen ?

Zu schnelle Entscheidungen ohne lange (und tief) genug nachgedacht
zu haben... ?


Man muß für sich werten, was einem an an SEINER Kampfkunst wichtig ist
und wie sie weiterhin betrieben werden soll...
Schließlich sind wir doch alle auf der Suche nach UNSERER Kampfkunst
und hecheln nicht auf Dauer einem vorgegebenen System nach ?!


Gruß shumisen
Anzahl Nachrichten: 3 - Seiten (1): [1]
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