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Ilyo Do Forum

Alle Kategorien > Taekwondo > Theorie > Das Mysterium der Verbeugung
Anzahl Nachrichten: 10 - Seiten (2): [1] 2
Autor: shumisen
Erstellt: 02.03.2006 - 13:51
Betreff: Das Mysterium der Verbeugung
Hallo Zusammen,


die Verbeugung nach dem betreten des „Dojangs“ beinhaltet doch
einige ungeklärte Faktoren, die hier entsprechend diskutiert werden
können. Um eine entsprechende Grundlage zu haben, streue ich mal den
nachfolgenden Text ein:


Man betritt den Dojang leise und zügig ohne Schuhwerk.
Sicher haben einige (aus div. Gründen) noch die Tasche in der Hand,
diese wird an den vorgesehen Stellen abgelegt. Nun begibt man sich
an den Rand der Mattenfläche.

Dort bleibt man stehen, schließt die Füße (moa-sogi) und legt die
Arme seitlich an den Körper. Mit leicht gesenktem Blick nach vorn
verbeugt man sich (nicht nur der Kopf wird geneigt, sondern die
Beugung entsteht im Beckenbereich, so dass der gesamte Oberkörper
ca. 15° bis 30° nach vorne geneigt wird, die Arme bleiben während der Verbeugung
seitlich am Körper) und erweist so den Respekt dem Taekwondo gegenüber.

Gleichzeitig ist diese erste Verbeugung ein Signal dafür, das der Wille
zu einem ernsthaften und gewissenhaften Training vorliegt und alle
Alltagssorgen und –Gedanken nun abgelegt sind.



Eine Verbeugung vor dem Partner kommt während des Trainings immer
dann vor, wenn Partnerübungen folgen sollen. Diese Verbeugung läuft
nach dem oben beschriebenen Prozedere direkt voreinander ab.
Der Blick wird auch hier gesenkt, denn ein anschauen des Gegenübers
würde ein Misstrauen ausdrücken und eine Unhöflichkeit bedeuten.




Fröhliches diskutieren
Gruß shumisen
Autor: jenson
Erstellt: 03.03.2006 - 03:14
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Also dann diskutiere ich mal mit

Was das Verbeugen angeht, hab ich gehört, dass es da einige Unstimmigkeiten gab, verstehe jedoch nicht, wo das Problem liegt.

Grundsätzlich ist auch der oben angegebene Text, nach dem was ich gelernt habe, richtig.

o Richtige Verbeugung, nicht nur Kopfnicken
o Blick mit dem Kopf senken
o Geist "freimachen" für das bevorstehende Training

Was offen bleibt, ist die Sache mit dem Anschauen des Partners beim An-/Abgrüßen. Ich kenne es so, dass man den Augenkontakt während der Verbeugung verliert, dieser meiner Meinung nach jedoch ganz angebracht ist vor der Verbeugung und beim Wiederaufrichten. Um stetige Aufmerksamkeit gegenüber dem Partner zu zeigen und keine Schwäche bzw. Schüchternheit.

Ich denke darüber sollte man sich wirklich einmal auslassen. Was das generelle Verhalten angeht, so kenne ich leider nicht die Vorfälle, die zu dieser Diskussion hier führten. Da wäre ein bisschen Aufklärung vielleicht nicht schlecht.


Jens
Autor: shumisen
Erstellt: 03.03.2006 - 07:49
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Hallo Jens,

die Problematik entstand während der letzten Kup-Prüfung.
Auf die Nachfrage nach der Art und Weise der Verbeugung kamen
unterschiedliche Antworten...

Offen ist bei mir selber nichts, denn :

- ich schaue mein Gegenüber freundlich aber bestimmt an
- sobald die Verbeugug beginnt, senke ich den Blick
- geht die Verbeugung zu ende, hebe ich den Blick und
schaue mein Gegenüber wieder an

Das ist alles.
Würde ich aber während der Verbeugung nach oben schielen um mein
Gegenüber weiterhin anschauen zu können, würde ich denn Sinn der
Verbeugung irgendwie in Frage stellen...


Gruß shumisen
Autor: jenson
Erstellt: 03.03.2006 - 20:44
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Bei mir ist da so gesehen auch nichts offen. Ich hab nur auf Tunieren bemerkt, dass das ununterbrochene Anstarren gerne als Provokation des Gegenübers gesehen und gehandelt wird.
So kann es passieren, dass das An-/Abgrüßen zwischen den Grund- und Kampftechnikern unterschiedlich ausgeführt wird.
Was ich auch schon gesehen hab, sind TKDler die die Augen ganz geschlossen hatten. Da spricht für mich nichts gegen, eher dafür, da man sich komplett aus dem vorhergeschehenen entbindet und sozusagen neu mit der folgenden Aufgabe beginnt. Also eine klare Grenze setzt.
Aber ich werde es weiter wie gehabt ausüben, was der oben aufgeführten Erklärung entspricht. So gebe ich es auch in meinen Kinderkursen weiter.


Jens
Autor: Mujushin
Erstellt: 04.03.2006 - 13:13
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Hi,

schön, dass hier schon ein wenig los ist.

Zum Thema: im großen und ganzen stimme ich Euch in allen Punkten zu. So habe ich es von Rüdiger damals vermittelt bekommen:

- Verbeugen direkt beim Betreten des Dojang natürlich nur ohne Gegenstände in den Händen - also vorher ablegen, dann verbeugen.

- Sinn und Zweck: Alles Alltägliche bleibt außen vor, man konzentriert sich rein auf das kommende Training, und vor allem bezeugt man damit seine Bereitschaft sich den Regeln, die im Dojang herrschen (Dojang-Etikette + allgemeine Trainingsregeln) zu unterwerfen.

Beim Verbeugen in der Gruppe zum Trainingsbeginn wird gegenseitiger Respekt bezeugt, zum einen gegenüber dem Trainer, zum anderen gegenüber den Mittrainierenden.

Beim Verbeugen vor und nach Partnerübungen schaut man sich an, dann wird der Blick leicht gesenkt und sich dann verbeugt, beim Aufrichten entsprechend in umgekehrter Reihenfolge.

...denn ein anschauen des Gegenübers
würde ein Misstrauen ausdrücken und eine Unhöflichkeit bedeuten.


Na ja, das mutet für mich doch recht archaisch an. Da wir es im Training ausschließlich mit "Kollegen" zu tun haben und auch beim reglementierten Kampf nicht zu erwarten ist, dass der Gegner während der Verbeugung des anderen zuschlägt, kann ich mir vorstellen, dass falls jemand wirklich während der Verbeugung nach oben oder Richtung Partner schielen sollte, er wohl nur ein müdes Lächeln ernten würde.

Worüber ich mir aber noch nie Gedanken gemacht habe und was ich recht amüsant in der obigen Darstellung finde ist, dass sich die Verbeugung in einem Rahmen von 15-30% bewegen sollte. Das finde ich gut. (Hat das wirklich mal jemand in einem Buch geschrieben?). Alles Alltägliche soll draussen bleiben, aber den Winkelmesser im Kopf nehmen wir mit !?!.

Bei uns hieß es immer die Verbeugung soll deutlich, aber nicht übertrieben sein.

Dabei mußte ich gerade beim Zuschauen der letzten Prüfung feststellen, dass es Taekwondoin gibt, die durchaus in der Lage sind, bei der Verbeugung einen 90°-Winkel zu schaffen, ohne gebürtige Japaner zu sein.

Sollte da der Winkelmesser 'mal neu justiert werden?

Tschöö
Frank

Autor: shumisen
Erstellt: 04.03.2006 - 14:18
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Hallo mujushin,

hier noch mal zum "Misstrauen und Unhöflichkeit":
Klar habt man es im regulären Kurs mit Kollegen oder sogar Freunden
zu tun. Aber irgendwie muß man das ganze ja mal in Worte fassen.

Ich stell mir gerade vor, ich hätte mir das hinaufschielen angewöhnt
und bin als Gast in einem anderen Dojang.
Wie das dann wohl dort aufgefasst würde ???

Deshalb gilt für mich die o.g. Aussage.
Ob diese allgemeingültig ist, können wir ja hier herausfinden.


Zum Winkelmesser:
Auch hier lediglich der Versuch, die Verbeugung in greifbare Werte
zu fassen. Es ist wie immer der goldene Mittelweg, der zum Ziel führt.

Kopfnicken ist eindeutig zu wenig und 90° wären eindeutig zu viel.


Gruß shumisen
Autor: Mujushin
Erstellt: 05.03.2006 - 12:13
Betreff: re: Das Mysterium der Verbeugung
Hallo Shumisen,

ich denke, Du weißt wie ich das gemeint habe, oder?

Natürlich ist ein Kopfnicken zu wenig und für mich auch ein Zeichen von Oberflächlichkeit und des Training-nicht-Ernst-Nehmens.

Dies ist für mich eher eine Unhöflichkeit den anderen Trainierenden gegenüber, als würde bei der Verbeugung immer einer zu mir hinschielen, was ich aber auch noch nicht beobachten konnte, da ich nach Absenken des Blickes meistens die Augen schließe.

Bei der Verbeugung vor einer Partnerübung nehme ich bewußt Augenkontakt auf, zeigt sich doch häufig in diesem Moment mit welcher Ernsthaftigkeit (oder auch nicht) der Trainingspartner in diese Übung geht. Vom Grinsen, über In-die-Luft-schauen, bis zur rausgestreckten Zunge, habe ich in den letzten Jahren im Anfängerkurs schon alles gesehen.

Die Erwiderung eines festen Blickes in diesem Moment ist für mich ein Zeichen der gegenseitigen Achtung und die Zusicherung der vollen Konzentration auf die kommende Übung.

Tschöö
Frank

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